Wenn sich kurz vor der politischen Sommerpause die Parteien am 30. Juni 2011 im Bundestag zusammenfinden, dann wird dieses ein historischer Tag im Zeichen der atomaren Energieversorgung in Deutschland!
Der von Union und FDP hervorgebrachte “Entwurf eines Dreizehnten Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes“1 sieht das Ende zur “Berechtigung zum Leistungsbetrieb einer Anlage zur Spaltung von Kernbrennstoffen zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität [...]“2 bis spätestens 31. Dezember 2022 für die Kernkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 vor.
Geprägt durch die schrecklichen Ereignisse um das japanische Atomkraftwerk in Fukushima, rückte die Bundesregierung von ihrer bisherigen Atomlobby-Politik ab. Für bessere Umfrageergebnisse der Koalition aus CDU/CSU und FDP sorgte die Entscheidung jedoch nicht – die Menschen in Deutschland kauften der Regierung den plötzlichen Umstieg in Richtung der erneuerbaren Energien nicht ab. Wie auch? Erst im Herbst gab es den viel kritisierten Ausstieg aus dem Atomausstieg, der von der rot-grünen Regierung mit Zustimmung der CDU auf den Weg gebracht wurde.
Neben dem Atomgesetz gibt es weitere Änderungen, um die Energiewende auf den rechten Weg zu bringen. Beispielsweise belebt der Gesetzentwurf “zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden”3 den baulich geprägten Markt. Dieser sieht vor, dass Investitionskosten, die aufgrund einer energetischen Sanierung entstehen, bis zu zehn Jahre steuerlich mit zehn Prozent absetzbar sind. Im selben Atemzug wird die Fördersumme von derzeit rund 930 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro ab 2012 erhöht. Hauseigentümer die eine Sanierung ihres Gebäudes durchführen lassen, können sich die Maßnahme durch die Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) mit günstigen Zinskonditionen sowie Tilgungszuschüssen mit bis 12,5% der Investitionssumme fördern lassen.
Für Mieter soll es zukünftig erschwert werden, die Mieten zu mindern, wenn bauliche Maßnahmen den Wohnkomfort zeitlich begrenzt stören. Hierzu hat das ZDF-Magazin WISO am 06. Juni einen Beitrag gebracht. Dieser ist in der Mediathek anzusehen unter: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/1354470
Was halten Sie/Was hältst Du von der geplanten Energiewende der Bundesregierung?
Ich freue mich auf Kommentare!
1 – dip.bundestag.de/btd/17/060/1706070.pdf
2 – Entwurf eines Dreizehnten Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes, Artikel 1, Abschnitt 1a
RWE tut es, EnBW tut es auch, Vattenfall ebenso und E.ON legt sicherlich zeitnah nach. Die vier großen Energiekonzerne, die sich die Versorgung mit Energie in Gesamtdeutschland untereinander aufteilen und munter am Strompreisregler drehen, kündigten erneut eine Erhöhung der Strom- und Gaspreise an.
Demnach will EnBW den Strompreis um 9,45 Prozent erhöhen1, Vattenfall gab noch keinen konkreten Wert an, die Erhöhung ist allerdings beschlossen. Und auch RWE erhöht die Preise für Strom und Gas. Stromkunden zahlen zum Jahreswechsel 4 Prozent mehr. Bei RWE ist es bereits nach August die zweite Erhöhung in kurzer Zeit.
Die Gründe für die Erhöhungen werden selbstverständlich gleich mitgeliefert. Grund ist die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht zum Jahreswechsel eine Erhöhung der Umlage auf 3,53 Cent pro Kilowattstunde vor (aktuell: 2,05 ct/kWh).
Das Argument lautet also: Ökostrom ist teuer!
Ich versuche einmal der Sache auf den Grund zu gehen und schaue mir an, ob das jeder Energieanbieter so sieht. Zunächst nutze ich dazu die Plattform Verivox. Ich habe mich zum einen für diesen Anbieter entschieden, da er meiner Meinung nach am übersichtlichsten ist und zum anderen hoffe ich, dass jeder der diesen Text liest, am Ende den Anbieter wechselt und dieses über das untere Formular macht. Ich bekomme dann so viel Provisionen, dass ich diese unter den vier Energiekonzernen aufteilen werde, damit diese mit ihrem Etat für das kommende Jahr wieder auskommen.
Nun aber wieder zum eigentlichen Thema.
Ich erkläre kurz worauf ich hinaus will und wie ich dazu vorgehe. Ich werde mit Hilfe von Verivox eine Standard-Suche zu einem von mir ausgesuchten Haushalt durchführen, um zu schauen, wie sich der Preis des Grundversorgers von dem Preis eines Ökostrom-Anbieters unterscheidet. Als Haushalt nehme ich im ersten Fall einen 2-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 2300 kWh/Jahr. Im zweiten Fall nehme ich eine vierköpfige Familie, die es auf einen Jahresstromverbrauch von 4500 kWh/Jahr bringt.
1.) Ich gebe also in das untere Formular die Daten aus dem ersten Fall ein und klicke auf “Berechnen”. Ich habe als Ort Paderborn gewählt. Den Nachtanteil setze ich auf 5 Prozent, welches Geräte wie z.B. einen Kühlschrank berücksichtigt.
2.) Es öffnet sich eine Ergebnisseite. Als erstes entferne ich alle Häkchen, die Kautionen oder einen Bonus in die Berechnung einfließen lassen. Diese nehme ich heraus, da der Preisvorteil meist nur im ersten Jahr gültig ist. Weiterhin lasse ich Tarife mit Vorauskasse aus der Berechnung heraus, da dieses in den meisten Fällen zu Schwierigkeiten führt. Ist der Verbrauch höher als im Vertrag vereinbart, wird es sehr teuer! Wird hingegen weniger verbraucht, wird dieses nicht vergütet.
Zunächst lasse ich mir alle Tarife ausgeben, um den Preis des Grundversorgers zu ermitteln und klicke auf “aktualisieren”.
3.) Ich erhalte eine Liste mit den Anbietern, die Strom nach Paderborn liefern. Der Grund- bzw. Erstversorger ist in diesem Fall E.ON mit dem Tarif “strom.spezial”. Dieser Tarif ist so “spezial”, dass dieser erst an 62. Stelle auftaucht. Es sind also insgesamt 61 Anbieter, die günstigeren Strom liefern als E.ON.
4.) Der Gesamtbetrag liegt also bei 592,39 Euro pro Jahr. Wenn man mit der Maus über das kleine Zeichen mit dem “i” fährt, so erhält man die aufgeschlüsselten Einzelkosten. Die Kilowattstunde kostet bei E.ON in diesem Tarif 21,98 Cent.
5.) Ich wiederhole nun die Suche und klicke den Reiter “Nur Ökostrom-Tarife” an. Ich erhalte folgende Auflistung:
Der Preis für den günstigsten Anbieter “enQu GmbH” mit dem Tarif “enQu Natur” liegt bei 532,00 Euro pro Jahr. Die Differenz dieses Ökostrom-Tarifs zum Tarif des Grundversorgers liegt bei 60,39 Euro. E.ON taucht in der Liste der Ökostrom-Tarife übrigens gar nicht auf.
Jetzt möchte ich mir im nächsten Schritt ansehen, wie der Strom von E.ON zusammengesetzt ist, um zu erfahren wie viel Strom E.ON aus erneuerbaren Energien einsetzt.
6.) Ich gehe noch einmal zurück auf die Suche um zu dem E.ON-Tarif zu gelangen (Häkchen bei “Nur Ökostrom-Tarife” muss dazu entfernt werden) und klicke diesen Tarif an. Unter “Stromquellen” sehe ich die gewünschten Informationen. 42,2 Prozent des Stroms stammen aus Atomkraftwerken und 34,5 Prozent aus fossilen Quellen. Erneuerbare Energien sind somit zu einem Anteil von 23,3 Prozent vertreten.
E.ON setzt somit 76,7 Prozent weniger Ökostrom in seinem Tarif ein als der Anbieter enQu. Ökostrom ist teuer?
Beim zweiten Fallbeispiel liegt die Differenz bei 103,94 Euro. Dieses Szenario lässt sich mit vielen anderen Städten gleichermaßen durchführen. Das Ergebnis ist meist das gleiche.
Bei der Wahl des Anbieters sollte jedoch genau geprüft werden, um welchen Anbieter es sich handelt. Oftmals gibt es Unternehmen, die so schnell wieder vom Markt verschwinden, wie sie gekommen sind. Deshalb mein Tipp: Stadtwerke sind i. d. R. eine gute Wahl, da die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz relativ gering ist.
Und zu guter letzt:
- Bei einem Wechsel wird es zu keinem Abbruch der Stromversorgung kommen. Dieses ist gesetzlich festgelegt.
- Ein Wechsel ist denkbar einfach. Meist muss nur ein DIN A4-Zettel ausgefüllt werden und den Rest der Arbeit übernimmt der neue Stromversorger
Wer also auch Mitleid mit E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall hat (siehe oben), der kann jetzt das folgende Formular ausfüllen, den Antrag ausfüllen, abschicken und sich dann freuen, etwas zum Umweltschutz beigetragen zu haben. Ihr Geldbeutel dankt es Ihnen…
In den letzten Wochen und Monaten gab es bereits heftige Auseinandersetzungen zur geplanten Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zwischen der aktuellen Regierung aus Union und FDP und der Opposition. Am Sonntag beschloss die Regierung dann die längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke. Demnach sollen alte Meiler 8 Jahre länger laufen und jüngere Meiler 14 Jahre länger. Wie Spiegel Online1 jedoch berichtet, kann man von weitaus mehr Jahren ausgehen, da die Laufzeiten nicht mit einer konkreten End-Jahreszahl versehen sind, sondern nach den Jahresvolllaststunden errechnet werden. Somit kann die Laufzeit von Atomkraftmeilern wesentlich länger gestreckt werden.
Die Tageszeitung2 titelte in ihrer Ausgabe vom Montag, 6. September: “Laufzeitverlängerung: 1.000.000 Jahre” und verdeutlichte damit, dass wir den Grundstein gelegt haben für tausende Tonnen Atommüll, der bis zu eine Millionen Jahre gefährlich strahlen wird.
Angela Merkel sprach nach dem Beschluss von “Revolution” [spätlat. revolutio = das Zurückwälzen, -drehen3]. Bisher wurde der Begriff eher in der Schule als “Französische Revolution” bekannt gemacht. Durch die Aufklärung der französischen Bevölkerung wurde am Ende der Absolutismus abgeschafft. Aufklärung wird wiederum in der Neuzeit eher mit Sexualkunde in Verbindung gebracht. Fehlt die Aufklärung in der Bevölkerung zum Thema Atomkraft? Wohl kaum, denn die Mehrheit entscheidet sich bei diesem sensiblen Thema gegen eine Laufzeitverlängerung. Im DeutschlandTREND4 der ARD vom September sprachen sich 59 Prozent der Befragten gegen die Fortführung der Atomkraft aus. In einer aktuellen Umfrage von tagesschau.de5 sind über 80 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass die Regierung den falschen Weg mit der Verlängerung einschlägt. Ein deutliches Ergebnis und dennoch ignoriert die Regierung die Wünsche und vor allem Ängste der Bürger.
Das “Energiekonzept – neun Punkte für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung” welches in der 12-stündigen Sitzung der schwarz-gelben Politiker herauskam, bringt vor allem den vier großen Energieversorgern Geld in die Kassen. Durch die Verlängerung wird noch insgesamt 26 Jahre, also noch mindestens bis zum Jahr 2037 Strom aus den Kraftwerken von EON, RWE, Vattenfall und EnBW kommen. Das bedeutet für die Konzerne Zusatzeinnahmen von 127 Milliarden Euro6!! Nimmt man die im Vorfeld so viel diskutierte Brennstoffsteuer, die lediglich befristet für die nächsten 6 Jahre jeweils 2,3 Milliarden Euro pro Jahr brutto ausmacht, so kommt man auf Ausgaben von 13,8 Milliarden Euro für die Energieriesen! Es werden also lediglich knapp 11 Prozent des Zusatzgewinns für den Ausbau der erneuerbaren Energien ausgegeben – eine Farce und ein Kniefall gegenüber der Atomlobby!
“Wo des einen Freud’, da des anderen Leid” – diese Redewendung trifft auch bei dem Beschluss der Verlängerung von Atomkraftwerken ein. Die Stadtwerke befürchten hohe Verluste durch die Weiterführung der Atomkraft. Wie der Vorsitzende der Stadtwerkevereinigung 8KU, Albert Filbert der Tagesschau gegenüber aussagt, liegen die Verluste für die Stadtwerke bei 4,5 Milliarden Euro, da die Auslastung der Stadtwerke sinke7.
Wie sieht es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien aus? Durch den Beschluss von Schwarz-Gelb wird die Weiterentwicklung der Erneuerbaren sicher nicht stärker. Das Ziel aus 100 Prozent erneuerbaren Energien im Jahr 2050 hat die Regierung somit gebremst, denn jetzt haben die großen Energieunternehmen keinen Zeitdruck mehr bei der Umstellung auf grünen Strom.
Wie reagieren die Oppositionsparteien auf die Laufzeitenverlängerung? Selbstverständlich mit Empörung. Jürgen Trittin (Grüne) spricht von “Rolle rückwärts”, die Grünen erklären den Beschluss als verfassungswidrig und setzen sich dafür ein, dass der Ausstieg aus dem Atomausstieg “nicht Realität wird”8.
Was können die Verbraucher gegen Atomkraft und gegen EON und Co. unternehmen? Ganz einfach – einige Klicks und der Anbieter ist gewechselt. Es ist einfach, es wird keinen Abbruch der Stromversorgung geben und man hilft zudem der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel. Das Ammenmärchen vom billigen Atomstrom wird sofort widerlegt, wenn man sich das Ökostrom-Angebot genauer ansieht. Meistens ist nämlich der lokale Versorger (der Atomtrom ausliefert) teurer als der Ökostrom-Anbieter!
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