In den letzten Wochen und Monaten gab es bereits heftige Auseinandersetzungen zur geplanten Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zwischen der aktuellen Regierung aus Union und FDP und der Opposition. Am Sonntag beschloss die Regierung dann die längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke. Demnach sollen alte Meiler 8 Jahre länger laufen und jüngere Meiler 14 Jahre länger. Wie Spiegel Online1 jedoch berichtet, kann man von weitaus mehr Jahren ausgehen, da die Laufzeiten nicht mit einer konkreten End-Jahreszahl versehen sind, sondern nach den Jahresvolllaststunden errechnet werden. Somit kann die Laufzeit von Atomkraftmeilern wesentlich länger gestreckt werden.
Die Tageszeitung2 titelte in ihrer Ausgabe vom Montag, 6. September: “Laufzeitverlängerung: 1.000.000 Jahre” und verdeutlichte damit, dass wir den Grundstein gelegt haben für tausende Tonnen Atommüll, der bis zu eine Millionen Jahre gefährlich strahlen wird.
Angela Merkel sprach nach dem Beschluss von “Revolution” [spätlat. revolutio = das Zurückwälzen, -drehen3]. Bisher wurde der Begriff eher in der Schule als “Französische Revolution” bekannt gemacht. Durch die Aufklärung der französischen Bevölkerung wurde am Ende der Absolutismus abgeschafft. Aufklärung wird wiederum in der Neuzeit eher mit Sexualkunde in Verbindung gebracht. Fehlt die Aufklärung in der Bevölkerung zum Thema Atomkraft? Wohl kaum, denn die Mehrheit entscheidet sich bei diesem sensiblen Thema gegen eine Laufzeitverlängerung. Im DeutschlandTREND4 der ARD vom September sprachen sich 59 Prozent der Befragten gegen die Fortführung der Atomkraft aus. In einer aktuellen Umfrage von tagesschau.de5 sind über 80 Prozent der Teilnehmer der Meinung, dass die Regierung den falschen Weg mit der Verlängerung einschlägt. Ein deutliches Ergebnis und dennoch ignoriert die Regierung die Wünsche und vor allem Ängste der Bürger.
Das “Energiekonzept – neun Punkte für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung” welches in der 12-stündigen Sitzung der schwarz-gelben Politiker herauskam, bringt vor allem den vier großen Energieversorgern Geld in die Kassen. Durch die Verlängerung wird noch insgesamt 26 Jahre, also noch mindestens bis zum Jahr 2037 Strom aus den Kraftwerken von EON, RWE, Vattenfall und EnBW kommen. Das bedeutet für die Konzerne Zusatzeinnahmen von 127 Milliarden Euro6!! Nimmt man die im Vorfeld so viel diskutierte Brennstoffsteuer, die lediglich befristet für die nächsten 6 Jahre jeweils 2,3 Milliarden Euro pro Jahr brutto ausmacht, so kommt man auf Ausgaben von 13,8 Milliarden Euro für die Energieriesen! Es werden also lediglich knapp 11 Prozent des Zusatzgewinns für den Ausbau der erneuerbaren Energien ausgegeben – eine Farce und ein Kniefall gegenüber der Atomlobby!
“Wo des einen Freud’, da des anderen Leid” – diese Redewendung trifft auch bei dem Beschluss der Verlängerung von Atomkraftwerken ein. Die Stadtwerke befürchten hohe Verluste durch die Weiterführung der Atomkraft. Wie der Vorsitzende der Stadtwerkevereinigung 8KU, Albert Filbert der Tagesschau gegenüber aussagt, liegen die Verluste für die Stadtwerke bei 4,5 Milliarden Euro, da die Auslastung der Stadtwerke sinke7.
Wie sieht es mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien aus? Durch den Beschluss von Schwarz-Gelb wird die Weiterentwicklung der Erneuerbaren sicher nicht stärker. Das Ziel aus 100 Prozent erneuerbaren Energien im Jahr 2050 hat die Regierung somit gebremst, denn jetzt haben die großen Energieunternehmen keinen Zeitdruck mehr bei der Umstellung auf grünen Strom.
Wie reagieren die Oppositionsparteien auf die Laufzeitenverlängerung? Selbstverständlich mit Empörung. Jürgen Trittin (Grüne) spricht von “Rolle rückwärts”, die Grünen erklären den Beschluss als verfassungswidrig und setzen sich dafür ein, dass der Ausstieg aus dem Atomausstieg “nicht Realität wird”8.
Was können die Verbraucher gegen Atomkraft und gegen EON und Co. unternehmen? Ganz einfach – einige Klicks und der Anbieter ist gewechselt. Es ist einfach, es wird keinen Abbruch der Stromversorgung geben und man hilft zudem der Umwelt und dem eigenen Geldbeutel. Das Ammenmärchen vom billigen Atomstrom wird sofort widerlegt, wenn man sich das Ökostrom-Angebot genauer ansieht. Meistens ist nämlich der lokale Versorger (der Atomtrom ausliefert) teurer als der Ökostrom-Anbieter!
Der Atomlobbyist Hennenhöfer hats also tatsächlich geschafft…
Ein Job auf Lebenszeit, mit sehr hoher Bezahlung ist ihm sicher, wenn er aus dem Staatsdienst wieder zurück zu einem der 4 großen Stromriesen wechselt.. :-(
Update: Bundeskanzlerin Angela Merkel weist jede Kritik zurück. Angeblich würden die Energiekonzerne die Hälfte der Einnahmen durch die Atomkraftverlängerung zahlen.
Zu den 2,3 Mrd. Euro für die Brennelementesteuer kommen für die Förderung der erneuerbaren Energien 300 Millionen Euro jeweils in den nächsten beiden Jahren in die Kasse und in den Folgejahren bis 2016 nochmals jeweils 200 Mio. € jährlich. Das sind insgesamt 15,2 Milliarden Euro!
Ob die Kanzlerin nicht rechnen kann? Den 15 Milliarden stehen über 120 Millarden gegenüber – das ist nicht die Hälfte…
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